Geschrieben am Mittwoch, 8.2.2012 von unplugged
Lava, New York Taxi und Mary Jo Warning – Wie gefährlich sind legal highs?
Der Konsum von Kokain und anderen tradierten Substanzen ist seit Jahren konstant rückläufig. Als Folge einer Drogenpolitik, die auf Verbote und Restriktion setzt, nehmen viele User Abstand von Stoffen, deren Besitz vor das zuständige Amtsgericht führen kann. Außerdem haben klassische Drogen mitunter ein Imageproblem. Haschisch ist bei vielen jungen Menschen die Droge der Eltern, der Hippies, auf jeden Fall etwas angestaubt; und Kokain lässt noch immer an Christoph Daum denken und gehört somit zur Jahrtausendwende…
Drogendesigner jedoch fanden bereits in der Vergangenheit auf solche Entwicklungen erstaunlich kreative Antworten und überschwemmen die Absatzmärkte auch anlässlich dieser aktuellen „Sinnkrise“ der bewusstseinsbeeinflussenden Mittel mit vorgeblich zeitgemäßen Alternativen. Die Produkte kommen scheinbar naiv als Duftkissen, Badesalze und Räuchermischungen zur Raumluftverbesserung daher. Dahinter stecken indessen synthetische Cannabinoide und Indol-Verbindungen, also chemische Zusammensetzungen aus den Designer-Laboren der Drogenszene.
Die Produkte setzen geschickt an den oben genannten Hemmnissen bezüglich etablierter Substanzen an. Verboten sind die Verbindungen nicht, legal highs (legale Höhepunkte) eben, denn die immer neuen chemischen Verbindungen machen spezielle hierauf gezielte Verbote des Gesetzgebers notwendig. Der aber kommt mit dem Verbieten kaum hinterher und in schneller Folge finden sich immer neue Präparate auf dem Schulhof und in den Clubs.
Durch Optik und Art der Produkte und seiner Vertriebswege wird außerdem ein Sub-Bereich erzeugt, der sich als eigenständig und zeitgemäß inszeniert. Die staubige Kifferecke haben die Substanzen hinter sich gelassen, bunte Farben und trendige Namen (Lava, After dark u.a.) vermitteln das moderne Image eines Lifestyle-Produktes. Die Vielzahl sich abwechselnder und beständig erneuernder Mittel aktiviert den „Jäger und Sammler“-Instinkt des Konsumenten, wie es in ähnlicher Weise neue Mobilfunkgeräte vermögen. Legal highs passen gut zu jungen Menschen, die den materiellen Konsum und eine kurze Aufmerksamkeitsspanne gewöhnt sind. Und die Zielgruppe wird noch jünger: Die Vermarktung durch grelle Logos, Fantasiefiguren und skurrile Namen zielen auf hohe Akzeptanzwerte unter Teenagern und Twens ab; die Zugangswege zu diesen Produkten, die oftmals mühelos über das internet verlaufen kommen den Bedürfnissen und Gewohnheiten dieser Generation ebenfalls entgegen und sie vermitteln eine ergänzende Empfindung: Ent-Kriminalisierung und somit eine weitere Bagatellisierung und Verharmlosung.
Doch bergen Badezusätze und Duftkissen stattdessen denn konkrete Gefahren? Selbstverständlich! Die Risikolage für die Nutzer steht der erzeugten Harmlosigkeit der Mittel in krasser Weise entgegen. Herzrasen, Erbrechen, Ohnmacht, Hyperaktivität und Wahnvorstellungen können die Folge sein. Damit nicht genug, vielfach sind bereits Fälle dokumentiert, bei denen selbst der einmalige Konsum von legal highs zu Paranoia, Aggressionen, Selbstmordgedanken und Psychosen führte und für die Betroffenen neben Aufenthalten in Notaufnahmen von Krankenhäusern auch längerfristige Behandlungen in psychiatrischen Einrichtungen notwendig wurden. Niemand sollte sich in dieser Beziehung Illusionen machen: Die immer neuen Zusammenstellungen der chemischen Komponenten mag dazu dienen, Gesetzeslücken zu nutzen. Das bedeutet nicht, dass die Produkte deshalb weniger gefährlich wären, ganz im Gegenteil. Die synthetischen Verbindungen sind in ihrer direkten und langzeitlichen Folge nicht erforscht, die Auswirkungen auf Körper und Psyche sind stets unabsehbar. Die anstehende Fastnacht, die Partynächte der kommenden Wochen und Monate in Verbindung mit diesen neuen Partydrogen werden wieder dutzende Kinder und Jugendliche in die Intensivstationen der Kliniken bringen. Jeder sollte seinen Beitrag leisten, die Spielregeln der Verharmlosung zu brechen und die angesagten Substanzen zu „entzaubern“. Hierzu gehört es auch, Freunde und Bekannte vor dem Konsum zu warnen und selbst eine klare Haltung dagegen zu beziehen. Jeder sollte das Recht haben zu wissen, dass es sich hierbei nicht um einen kostengünstigen Spaß handelt, sondern um ein ernsthaftes Phänomen neuer und aggressiver Drogen, deren Nutzung zerstörerische Wirkung auf ein ganzes Leben haben kann.
Tags: Drogen, legal highs, Sucht
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