Geschrieben am Donnerstag, 6.8.2009 von unplugged
Kiffen – entspannter Rausch oder Gefahr für die Psyche?
Lange suchen muss man als junger Mensch nicht um über das Thema Kiffen zu stolpern. Auf Postern und T-Shirts erstrahlt das typische Hanfblatt in psychedelischen Farben, in jeder größeren Stadt findet sich ein Head-Shop, wo Pfeifen und lange Blättchen angeboten werden und in vielen Rap und HipHop- Musikvideos gehören Joints genauso zum Inventar wie Mikro und Baggy-Pants.
Obwohl Cannabis unter das BTMG (Betäubungsmittelgesetz) und der Umgang hiermit in die Illegalität fällt, ist die vermeintlich leichte Droge in der Gesellschaft präsent und vielfach in Jugendkulturen fest etabliert. So ist es nicht verwunderlich, dass insgesamt bis zu 10% aller Jugendlichen regelmäßig konsumieren und in Großstädten bis zu 50% cannabiserfahren sind.
Haschisch und Marihuana sind somit die meist gebrauchten illegalen Drogen. Ob als Joint oder im Space-Cake, die Wirkung ist in der Regel vergleichbar aber je nach THC Gehalt und genutzter Menge milde bis intensiv. Als erwünschte Auswirkungen werden hierbei von Konsumenten eine grundsätzlich intensivierte Wahrnehmung, Euphorie, neuartige Denkmuster und andere beschrieben. Was aber wenn der Rausch ungewollt verläuft? An die Stelle von intensiver Wahrnehmung können Reizüberflutungen und Halluzinationen treten, Euphorie kann in Angst und Paranoia umschlagen, Herzrasen und ein unbeherrschbares Chaos im Kopf können den Rausch in einen Horrortrip verwandeln.
Am nächsten Morgen ist die Wirkung meistens wieder verflogen. Wie gefährlich ist also Cannabis? Klar ist, dass der Rauch mehr krebserregende Stoffe enthält als eine vergleichbare Menge an Tabakrauch. Erwiesen ist auch, dass der Konsum negative Auswirkungen auf das Gedächtnis hat, Aufmerksamkeit, Merkfähigkeit und Reaktionsvermögen lassen nach. Oft fehlt es den Dauerkonsumenten an Motivation und Antrieb, viele beschreiben sich als „dauerverpeilt“.
Doch auch beim seltenen oder gar einmaligen Konsum kann das Kiffen gefährliche Auswirkungen auf die Psyche haben: So wird dadurch die Wahrscheinlichkeit erhöht, an einer Psychose zu erkranken.
Eine Psychose ist ein vorübergehender Zustand, in dem der/die Betroffene zumeist unter Halluzinationen (z.B. Stimmenhören) und Wahnvorstellungen (z. B. Verfolgungswahn oder das Gefühl, jemand besäße besondere Kräfte) leidet. Die Erkrankten verlieren dabei den Bezug und Kontakt zur Realität, haben seltsame Gedanken und oft schreckliche Angstzustände. Eine Situation, die sofortige ärztliche Unterstützung erfordert.
Mehr Menschen als man denkt haben die Veranlagung eine Psychose entwickeln zu können, man spricht hier von Vulnerabilität (Verletzlichkeit). Bei den meisten Menschen bricht die Erkrankung aber niemals aus. Nun bestehen aber Umstände, die den Ausbruch einer Psychose begünstigen und wahrscheinlicher machen. Diese Umstände nennt man Risikofaktoren. Hierzu zählen belastende Lebensereignisse (z. B. Tod und Verlust von Angehörigen oder Partnern, aber auch Hochzeit, Geburt, Kündigung, Reise oder Umzug). Ein Risikofaktor ist aber auch der Konsum von Drogen. Anders gesagt: Wer Cannabis oder andere Drogen konsumiert, steigert das Risiko, eine solche psychische Erkrankung zu entwickeln um ein Vielfaches, manche Studien sprechen davon, dass die Wahrscheinlichkeit dann sechs Mal so hoch ist. Außerdem gilt: Je jünger eine Person und je höher der Konsum, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich Halluzinationen und Wahnvorstellungen einstellen.
Da niemand seine Veranlagung genau kennt, kann also jeder Joint einer zu viel gewesen sein. Auch auf Warnzeichen sollten die Konsumenten achten. Wer schlecht drauf ist, sich ängstlich fühlt oder Schlafstörungen hat, sollte sofort aufhören zu kiffen und spätestens wenn diese Empfindungen nicht abklingen oder sich noch verschlimmern einen Arzt aufsuchen. Helfen können hierbei Psychiater oder Psychotherapeuten. Wenn es schwer fällt, Träume und Realität auseinander zu halten, sich Verfolgungswahn oder Halluzinationen einstellen, handelt es sich um einen Notfall. Dann sollten sich die Betroffenen sofort an eine Klinik wenden oder Hilfe rufen.
Die Psychose ist eine komplexe und bis heute nicht komplett erforschte Erkrankung. Wie bei anderen Krankheiten auch, kann hier aber meist gut behandelt werden, wenn die Betroffenen von Anfang an zuverlässig mitmachen. Sich Hilfe zu holen ist kein Zeichen von Verrücktheit, es gibt nur einen Fehler, nämlich zu lange damit zu warten.
Wir wünschen uns, dass mehr junge Menschen vom Kiffen Abstand halten und damit ihre (psychische) Gesundheit schützen. Das Risiko, auf der Suche nach einem entspannten Rauschzustand, eine im Extremfall nicht mehr zu beherrschende psychische Erkrankung zu „finden“, wiegt zu schwer. Das Aufhören ist wegen der psychischen Abhängigkeit nicht ganz leicht, deswegen ist es sinnvoll, sich auch hierbei Unterstützung zu holen. Hilfe gibt es bei der Drogenberatung, beim „quit-the-shit“- Programm im Internet, in vielen Beratungsstellen und natürlich im unplugged.
Es ist uns wichtig, die beschriebenen Risiken des Kiffens deutlich zu machen, da diese in der öffentlichen Diskussion oft verharmlost werden. Wir wünschen uns, dass die Jugendlichen die Gefahren des Kiffens bewusster abwägen und sich zugunsten ihrer seelischen Gesundheit gegen den Konsum entscheiden und auch bei ihren Freunden und Bekannten nicht wegsehen, wenn diese Hilfe brauchen oder in eine psychische Notlage geraten sind.
Tags: Cannabis, kiffen, Psychose
Kategorie: Thematisch | Kommentare (4)
15.10.2009 um 18:44
Kiffen ist eine verkannte problematik. Ich kenne das ,als ich noch in berlin gearbeitet hatte.Wir hatten jugendliche mit erheblich psychischen erkrankungen, wie psychose bis hin zum borderline.
Wir hatten gemeinsam mit den betroffenen Jugendlichen eine verantstaltung unter dem motto “macht kiffen wirklich krank ?” Schulen und interessierte wurden eingeladen. Wir hatten 3 gastdozenten, einen aus der politik, einen aus der psychiatrie und einen autor, der darüber ein interessantes buch geschrieben hatte. Wir hatten den eindruck, dass dieses problem sehr gut bei den jugendlichen angekommen ist. Es wurde mit spannung und mit eifer sehr viel darüber nachgedacht und geredet.Für die bewohner einer psy.wohngemeinschaft war es das schlüsselerlebnis überhaupt.
7.4.2011 um 09:15
Immer wieder versuchen uns die Medien und Menschen dahingehend zu beeinflussen…
Ich will das “smoken” gar nicht verherrlichen, aber von einem Joint bekommt ein “gesunder” Mensch keine psychosen und auch kein Borderlinesyndrom.
Alkohol und auch viele Pharmazeutiger sind um einiges schädlicher… Aber wie gesagt ich will das gar nicht schön reden. Leute selbst in der Apotheke ist das erhältlich (unter bestimmten Vorraussetzungen). Verboten wurde das um die Baumwolle zu fördern…
7.4.2011 um 09:30
Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil wenn es sich bei den Konsumenten um Jugentliche, junge Erwachsene handelt…
Das hat den Grund, das man sich in dieser Phase des Lebens “noch” stark etwickelt und das muss einfach mit klarem Verstand passieren…
Sonst entwickelt man sich durch “die Droge” und nicht durchs Leben. Das wäre verdammt schade und Psychosen treten in dieser Lebensphase wohl eher auf!!!!
8.4.2011 um 14:47
Durch den Text sei ja gerade darauf hingewiesen, dass es neben den Menschen, die den Cannabiskonsum ohne größere Folgen “vertragen” auch jene gibt, bei denen der Ausbruch schwerer psychischer Erkrankungen begünstigt wird. Pro und Contra Kiffen ist hier nicht das Thema sondern der Hinweis darauf, dass der Konsum Folgen haben kann, die weit darüber hinaus gehen, von einem Joint “schlecht drauf zu kommen”.