Geschrieben am Freitag, 13.11.2009 von unplugged
Deutschland ist geschockt vom Suizid des Fußballers Robert Enke. Die Medien sind voller Berichte und der Selbstmord ist Thema vieler Gespräche. Viel wird spekuliert über Hintergründe und Auslöser. Der Druck unter Profifußballern wird thematisiert und dem Umfeld unterstellt, es hätte etwas merken müssen von der Not Enkes.
Natürlich macht der Tod Robert Enkes sehr betroffen und muss uns alle wachrütteln, denn jeder Suizid ist unfassbar und es muss alles Menschenmögliche getan werden, um mit dem Betroffenen einen Ausweg aus der Krise und der Todessehnsucht zu finden.
Uns sollte das Medienecho aber eigentlich überraschen. Jedes Jahr nehmen sich in Deutschland über 9000 Menschen das Leben. Jeder einzelne Selbstmord ist für den Betroffenen und sein Umfeld eine Tragödie die oft relativ unbemerkt von der Gesellschaft passiert und manchmal verschämt verschwiegen wird. All diese Suizide sollten uns betroffen machen.
Wir sollten nach dem tragischen Tod Enkes nicht nach einzelnen Faktoren oder gar nach Schuldigen suchen. Vielmehr sollten wir uns als Gesellschaft fragen, was bei Depressionen und suizidalen Gedanken wirklich hilft. Ich denke, wir müssen die psychischen Erkrankungen aus der Ecke der Tabuthemen holen. Wir müssen lernen offen über Depressionen zu sprechen. Jeder fünfte durchlebt im Laufe seines Lebens eine depressive Phase. Für einige dieser depressiven Menschen sind suizidale Gedanken Teil der Erkrankung. Manche der Betroffenen sehen im Selbstmord den einzigen Ausweg aus der Situation. Sie können die emotionale Belastung nicht mehr aushalten oder sehen sich selbst als Belastung für ihr Umfeld. Andere Wege aus der Krise werden von den Betroffenen nicht mehr gesehen.
Viele depressive Phasen und Erkrankungen werden von den Betroffenen oder deren Umfeld nicht wahrgenommen, verdrängt oder schamhaft verschwiegen. Zu oft werden immer noch psychische Probleme stigmatisiert oder schwere Krisen verharmlost. Hier müssen wir als Gesellschaft ansetzen und diesen Missstand schnellstens beheben. Alle Menschen, die an einer Depression leiden, verdienen unsere Aufmerksamkeit und unsere Fürsorge.
Wir müssen es den Betroffenen ermöglichen, mit uns über ihre Probleme zu sprechen. Wir können Sie darin unterstützen, sich vorurteilsfrei mit ihren Problemen auseinander zu setzen und fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Viele Betroffene benötigen in der Depression Beratung und ärztliche Hilfe. Oft kann der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst werden. Der erste Schritt in eine Beratung, wie sie im unplugged angeboten wird, oder in eine ärztliche Praxis fällt oft schwer. Hier können Familie oder Freunde den Betroffenen unterstützen, ihn begleiten oder Ängste nehmen.
„Der gemeinnützige Verein „Deutsches Bündnis gegen Depression e.V.“ verfolgt unter dem Dach der Stiftung „Deutsche Depressionshilfe“ das Ziel
• die gesundheitliche Situation depressiver Menschen zu verbessern,
• das Wissen über die Krankheit in der Bevölkerung zu erweitern,
• Suiziden vorzubeugen.“
Mit vielen Aktionen und einer breiten Öffentlichkeitsarbeit konnten sich die Bürger in der Modellregion Nürnberg mit den Themen Depressionen und Suizid wirklich auseinandersetzen und Vorurteile abbauen. Die Erfolge sind nicht nur beachtlich, sondern auch nachweisbar.
„Die Suizidrate in Nürnberg sank bereits nach zwei Kampagnenjahren um ca. 25%, die Zahl der Selbsttötungsversuche ging im selben Zeitraum um über 26% zurück. Beratungsstellen, Ärzte und Angehörige sozialer Berufe werden mittlerweile schneller auf die Krankheit aufmerksam und können Betroffenen deshalb wirksamer helfen.“
Alle weiteren Informationen zum Bündnis gegen Depression und die Quellen der Zitate gibt es hier.
Wir können also gemeinsam etwas bewegen, indem wir Tabus brechen, Verantwortung in unserem Umfeld übernehmen und die Betroffenen unterstützen anstatt sie auszugrenzen.
Das ist es, was wirklich hilft.
Tags: Depression, Enke, Selbstmord
Kategorie: Thematisch | Kommentare (1)
28.7.2011 um 11:03
Ich finde es gut das man das Thema Depression veröffentlicht..Ich leide selbst seit letztes Jahr unter schweren Depressionen und generalisierte Angstzuständen.Ich wünsche mir das noch mehr getan wird um diese schlimme Krankheit zu überstehn..Lg Petra